Sabine Mangold-Will / Ute Planert (Hgg.): Monarchie in der Transformation. Die europäischen Monarchien in der Zwischenkriegszeit (= Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften; Bd. 117), Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2026, 292 S., 11 s/w-Abb., ISBN 978-3-525-30353-5, EUR 60,00
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Veröffentlichungen, wie die hier vorliegende, würde man gerne häufiger rezensieren. Das Thema ist relevant, der Aufbau des Sammelbandes gut strukturiert, die jeweiligen Fragestellungen der einzelnen Beiträge sind zielführend, auch im Zusammenhang mit der Fragestellung des gesamten Bandes.
Im Mittelpunkt steht das Problem der Überlebenschancen und somit der Anpassungsfähigkeit der monarchischen Staatsform nach dem Ersten Weltkrieg. Unbedingt zuzustimmen ist dem Befund der beiden Herausgeberinnen in der Einleitung: Demnach wandte sich die historische Forschung vor allem in Deutschland erst spät, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, dem Themenkomplex Monarchie als Staatsform nach 1789 zu. Dabei beschränkte sich die Forschung zuerst fast ausschließlich auf das 19. Jahrhundert. [1] Erst allmählich beginnt sich der Blick zu weiten. So geraten nun auch jene Monarchien, die die Wende des Jahres 1918 überstanden, in den Blick, ebenso wie diverse Ex-Monarchen, die nach 1918 gezwungen waren, Wege zu finden, um dem engeren Familienkreis, vielleicht auch der gesamten Dynastie zumindest ein finanzielles Auskommen zu sichern. [2]
Der hier zu besprechende Band zielt auf den internationalen Vergleich; er ist in fünf Abschnitte gegliedert. Unter der Überschrift "Verbürgerlichung und nationale Symbolik - Monarchien in Westeuropa" werden Belgien (Jörg Zedler) und Großbritannien (Heidi Mehrkens) betrachtet, um einerseits zu fragen, wie es Albert I. gelingen konnte, dem von Leopold II. im Kongo verantworteten grausamen Terror ein erneuertes, positives Herrscherbild entgegenzusetzen. Hinsichtlich Großbritannien geht es unter anderem um die deutschen Wurzeln des Königshauses, die spätestens seit 1914 eine immense Belastung für dessen Image darstellten. Sowohl Belgien als auch Großbritannien kam zugute, dass man 1918 nicht zu den Verlierern des Ersten Weltkrieges gehörte. Stattdessen konnten sich die Monarchen glaubhaft als Teil des jeweiligen nationalen Militärs präsentieren. Und da es auch um den Zusammenhalt von König und Volk ging, begab sich etwa George V. 1917, also mitten im Krieg und möglicherweise zum ersten Mal in seinem Leben, sogar in einen Pub, also unter die einfachen Leute.
Anschließend wendet sich Jacco Pekelder Kaiser Wilhelm II. und seinem Sohn, dem Kronprinzen Wilhelm, zu. Es geht hier vor allem um die Hoffnung der Hohenzollern, aus dem Exil wieder zu alter Pracht und Herrscherlichkeit zurückgerufen zu werden. (Abschnitt "Restaurationshoffnung und Arrangement - Monarchien im Deutschen Reich") Engere Kontakte mit den Nationalsozialisten wurden dabei nicht nur in Kauf genommen, wobei der vormalige Kaiser und der präsumtive Thronfolger - aufschlussreich geschildert - ganz unterschiedlich agierten. Nina Kreibig wiederum schreibt über die "Alimentierung der Wittelsbacher in der Weimarer Republik". Es geht um den 1918 geflohenen König Ludwig III. sowie den Kronprinzen Rupprecht, denen die neue republikanische Regierung anschließend in finanzieller Hinsicht weit entgegenkam. Kreibig konstatiert, dass sich die neue Regierung davon ein Mehr an Legitimität erhoffte.
"Zerfall und Neuordnung" betrifft zwei "Nachfolgestaaten der Habsburgermonarchie". Hier war die Revolution von 1918 Ursache eines besonders tiefgreifenden Umbruchs (Andreas Gottsmann). Sie kostete den letzten österreichischen Kaiser und König von Ungarn nicht nur seinen Thron. Darüber hinaus brach die Habsburgermonarchie komplett auseinander, entlang der Grenzen der seit langem miteinander konkurrierenden zahlreichen Nationalitäten. Karl I. wurde des Landes verwiesen und scheiterte anschließend bei zwei Restaurationsversuchen, als er sich zumindest die ungarische Stephanskrone zurückholen wollte. Ganz anders stellte sich die Situation auf dem südlichen Balkan dar (Marie-Janine Calic). Denn hier kam es 1918 zur Neueinrichtung einer Monarchie, des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen (seit 1929 Königreich Jugoslawien), unter Peter I. aus dem serbischen Hause Karajordjevic. Allerdings war dieses Staatswesen von Anfang an mit erheblichen Integrationsproblemen aufgrund regionaler und ethnischer Diversität behaftet. Das führte auch dazu, dass sich die anfänglich parlamentarische Monarchie in den 1920er Jahren in eine Art von "Königsdiktatur" (147) verwandelte.
Um Italien (Jens Späth) und Spanien (Birgit Aschmann) geht es in Abschnitt vier: "Dyarchie und Autokratismus - Monarchien im Mittelmeerraum". Italien gehörte 1918 nicht zu jenen Staaten, die eine militärische Niederlage zu verkraften hatten - das allein konnte sich schon systemstabilisierend auswirken. Zudem war es Vittorio Emanuele III. während des Krieges gelungen, sich seinem Volk als eine Art von "Soldatenkönig" zu präsentieren. In den 1920er Jahren konnte der italienische König jedoch der "faschistischen Versuchung" (18) nicht widerstehen, unter anderem aufgrund seiner Angst vor den Kommunisten und seines Misstrauens gegenüber der eigenen Armee. Gefragt wird in diesem Zusammenhang, wie sich die folgenden Jahre an der Seite Mussolinis ausgewirkt haben, damit es 1946 zum Ende der Monarchie in Italien kommen konnte. Auch in Spanien gab es eine Zusammenarbeit von König (Alfons XIII.) und Diktator (Primo de Riveras). Wie in Italien scheint dies das Vertrauen des Volkes in die Monarchie erschüttert zu haben. Nach dem vom König herbeigeführten Rücktritt Primo de Riveras sah sich Alfons XIII. ein Jahr später gezwungen, die Krone niederzulegen.
Unter der Überschrift "Tod und Exil - Monarchien im Osten Europas" werden abschließend Russland und das Osmanische Reich behandelt. Die dramatischen Tage im Februar und März 1917 sind das Thema des Beitrages vom Semion Lyandres. Damals bot Nikolaus II. an, zugunsten seines Sohnes auf den Thron zu verzichten. Die Regentschaft für den minderjährigen Alexej sollte der Bruder des Zaren, Großfürst Michael Alexandrowitsch, übernehmen. Ein damals schon lange schwelender Zwist zwischen den Brüdern verhinderte dies jedoch. So kam es in Russland zur ultimativen Zuspitzung: Der Zar und seine Familie wurden von den russischen Revolutionären ermordet. Noch weitgehend unerforscht ist die Situation im Osmanisches Reich am Ende des Ersten Weltkrieges, als - so Sabine Mangold-Will - nicht die militärische Niederlage, sondern der Widerstand der nationalen Bewegung gegen die Teilungspläne der alliierten Sieger des Ersten Weltkrieges den Sturz des letzten osmanischen Herrschers, Mehmeds VI., herbeiführte. Korrigiert wird von Mangold-Will die gängige Vorstellung, wonach der letzte Sultan anschließend ein reines Jetset-Leben geführt habe. Sie verweist vielmehr auf dessen vergebliche Restaurationsversuche und betont, dass es Mehmed VI. und seiner Dynastie nicht gelungen sei, "ihre Exilpolitik medial zu positionieren [...]. Hier fällt massiv ins Gewicht, dass die Osmanen [...] schon vor 1918 eher im Verborgenen lebten, soll heißen: auf keine ausgeprägte eigene Medienstrategie aus der Vorkriegs- oder Kriegszeit zurückgreifen konnten." (264)
Der Beitrag von Frank Lorenz Müller, der "weiterführende Fragestellungen" aufgreift, rundet den Band ab. Dieser bietet die ideale Einstiegslektüre, um sich mit der monarchischen Staatsform nach 1918 zu beschäftigen. Nötig wäre freilich auch der Blick auf die Jahre nach 1945.
Anmerkungen:
[1] So etwa Johannes Paulmann: Pomp und Politik. Monarchenbegegnungen in Europa zwischen Ancien Régime und Erstem Weltkrieg, Paderborn u.a. 2000; Volker Sellin: Gewalt und Legitimität. Die europäische Monarchie im Zeitalter der Revolutionen, München 2011; Dieter Langewiesche: Die Monarchie im Jahrhundert Europas. Selbstbehauptung durch Wandel im 19. Jahrhundert, Heidelberg 2013; Frank Lorenz Müller: Die Thronfolger. Macht und Zukunft der Monarchie im 19. Jahrhundert, München 2019.
[2] So etwa Frank-Lothar Kroll / Dieter J. Weiß (Hgg.): Inszenierung oder Legitimation. Monarchy and the Art of Representation. Die Monarchie in Europa im 19. und 20. Jahrhundert. Ein deutsch-englischer Vergleich, Berlin 2015; Jörg Zedler: Nützliche Leichen. Monarchenbegräbnisse in Bayern und Belgien 1825-1935, München 2022.
Katharina Weigand